Herzlich Willkommen

bei der Großelternakademie

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Gelassenheit, Respekt, Orientierung, Sicherheit, Sehnsucht, Essen, Liebe, Trösten, Erfahrung, Ruhe, Nähe – das Anforderungsprofil für den Job als Großmutter oder Großvater.

Wie Sie als Großeltern goldwert und einzigartig werden? Wir sagen es Ihnen.

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Großelternbrief Nr. 39

Worten muss man argwöhnisch gegenüberstehen, denn sie können sich in Käfige verwandeln. (Viola Spolin)

Liebe Großeltern,
wie wichtig ist Ihnen die Wahrhaftigkeit? Wahrhaftige Menschen sind nämlich vorsichtige, abwägende Menschen. Wahrhaftige Menschen achten genau darauf, was sie sagen, wohl wissend, dass ihnen ihre Worte und Versprechungen sonst auf die Füße fallen können.
Was wollte der Großvater nicht alles für den Enkel tun, als der noch keine vier Wochen alt war. Ein Moped sollte der Junge bekommen und später das Sparbuch, das angeblich bei seiner Geburt angelegt worden war. Und als das Kind dann alt genug war, keine Rede mehr davon. Das Moped hatte Opa nicht mehr auf dem Schirm und ein Sparbuch gab es nicht.
Oder Oma versichert ihrer besten Freundin am Telefon wortreich, ihre Kinder könnten jederzeit auf sie zählen. Als sie eine halbe Stunde später gefragt wird, ob sie an diesem Abend einhüten könnte, weigert sie sich standhaft.
Großeltern, die auf ähnliche Weise handeln, verhalten sich unwahrhaftig. Hätten sie geschwiegen, machte ihnen niemand einen Vorwurf, weil weder Moped noch Sparbuch vorhanden sind und Oma löste auch keinen Ärger aus, wenn sie eine Anfrage aufs Babysitting negativ beschied.
Versprechen Sie darum nichts, was Ihnen hinterher wieder leidtun könnte. Lassen Sie sich nicht zu geschwollenen Äußerungen hinreißen, die Sie in Schwierigkeiten bringen könnten. Es ist nicht schön, wenn einem hinterher gesagt wird, man mache nur große Worte.
Bedächtigkeit sollte daher eine angestrebte Eigenschaft der Großeltern werden. Langsam zum Reden sein, langsam sein, wenn es um Versprechen geht. Vielleicht, statt zu reden, sich eher das Handeln angewöhnen?
Einen entspannten Umgang mit Ihren Enkeln wünschen Ihnen
Marianne und Reinhard Kopp

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Großelternbrief Nr. 38

Angesichts eines Widerstandes, der unmöglich zu brechen ist, ist Sturheit eine dumme Haltung. (Simone de Beauvoir)

Liebe Großeltern,
wie kompromissfähig sind Sie? Das Miteinander funktioniert nun einmal nur, wenn jeder auf den anderen zugeht oder alle ein wenig zurückstecken. Nun gibt es ja in jedem Umfeld solche, die sich stur stellen, die nie zurückstecken. Wenn einer, um des lieben Friedens willen, immer wieder bereit ist, anderen den Vortritt zu lassen, scheint es eine eindeutige Gewinner-Verlierer-Situation zu sein.
Vor vielen Jahren begegneten sich auf einer schmalen Brücke einmal zwei stadtbekannte Männer, die sich nicht ausstehen konnten. »Ich gehe keinem Esel aus dem Weg!«, rief der eine schon von weitem aufgebracht, »aber ich tue das gern!«, erwiderte der andere, trat zur Seite und ließ den Wüterich vorbei. Es ist doch wohl eindeutig, wer hier Größe besaß, oder? Glauben Sie darum nicht, Nachgiebigkeit sei ein Zeichen von Schwäche, das Beharren auf einem Standpunkt ein Zeichen der Stärke. Leichter haben es im Leben auf alle Fälle die, die in der Lage sind, Standpunkte zu überdenken und Kompromisse einzugehen.
Es gibt manches, wo wir wirklich kompromisslos sind, in Sachen Alkohol zum Beispiel. Wir waren unser ganzes Leben Null-Promille-Menschen, aus freier Entscheidung, nicht, weil es einen persönlichen Anlass dafür gab. Werden wir eingeladen, lehnen wir entsprechende Getränke ab, freundlich, aber bestimmt.
So gibt es auch noch andere Haltungen, die für uns nicht verhandelbar sind.
Dafür aber gibt es eine viel größere Anzahl von Gelegenheiten, bei denen wir uns gerne nach der Mehrheitsmeinung richten und nicht auf unserem Standpunkt beharren. Und wir können Ihnen versichern, wir genießen in unserm Umfeld Akzeptanz, auch wenn wir den angebotenen Sekt nicht trinken. Denn alle wissen, was die Alkoholfrage betrifft, bleiben wir stur, jedoch, wenn ein anderer stur darauf beharrt, das letzte Käsebrötchen zu bekommen, suchen wir uns ohne Groll etwas anderes. Wir haben keine geschlossene Mauer der Kompromisslosigkeit gebaut, in unserm Bauwerk gibt es viele Lücken, durch die man zu uns gelangen kann. Wir haben uns nicht eingekesselt oder in einer Burg verschanzt. Wir leben unsere Standpunkte lebendig und offen gegenüber Familie, Freunden und unserm gesamten Umfeld. Wir akzeptieren uns gegenseitig mit unsern Stärken, Schwächen und Macken. Genauso halten wir es unsern Enkeln gegenüber und deren Eltern. Ein Leben, das bis jetzt sehr gut funktioniert.
Einen entspannten Umgang mit Ihren Enkeln wünschen Ihnen
Marianne und Reinhard Kopp

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Großelternbrief Nr. 37

Eltern können lediglich gute Ratschläge geben – oder den richtigen Weg weisen. Seinen endgültigen Charakter prägt der Mensch aus eigener Verantwortung. (Anne Frank)

Liebe Großeltern,
Als Anne Frank diese Worte schrieb, war sie ein Teenager im Versteck, ihre räumlichen Entfaltungsmöglichkeiten waren sehr begrenzt. Sie musste ihr Zimmer mit einem fremden Mann teilen, der ebenfalls gezwungen war, unterzutauchen. Sie verstand sich nicht mit ihrer Mutter, ihre Schwester war als Gesprächspartnerin ebenso wenig geeignet. Alles Bedingungen, unter denen kaum Entwicklung möglich ist. Wer eingepfercht leben muss, unter Angst und Druck, wem sogar die Verantwortung für die tägliche Ernährung genommen wird, wer sich dem beugen muss, was andere für ihn tun können oder nicht, der kann nur noch ein Schatten seiner selbst werden. Das Schicksal der Familie Frank lag vollkommen in den Händen wohlmeinender Freunde, Annes Eltern lebten vom und im Vertrauen auf sie. In dieser Situation bewahrte sich das Mädchen, dessen Tagebuch weltberühmt wurde, seine innere Eigenständigkeit. Sie wollte Verantwortung für sich übernehmen und nicht alles den Umständen und ihren Mitmenschen in die Schuhe schieben. Hätte sie überlebt, ich bin sicher, aus ihr wäre eine berühmte Schriftstellerin und Denkerin geworden. Eine unabhängige dazu.
Vielleicht sollten wir uns dieses junge Mädchen zum Vorbild nehmen, und uns unserer Verantwortung für unseren eigenen Weg bewusst werden. Auch rückschauend. Nicht die Eltern oder Systeme sind vorrangig daran schuld, dass aus uns etwas wurde oder nicht, sondern wir tragen die Verantwortung. Verantwortung für unsere Entscheidungen und unser Tun. Wer Verantwortung übernimmt, wird fähig zur Veränderung. Auch wenn sich nachträglich nichts mehr ändern lässt, können wir manche Erfahrung unter veränderten Aspekten betrachten. Können uns fragen, was das Schlechte uns gelehrt hat und das Gute in uns verändern konnte. Viel Gutes darf Dankbarkeit erzeugen, Schlechtes müssen wir in unsern Lebenslauf integrieren, dann nämlich kommen wir zu innerer Ruhe und werden weise.
Die Familie Frank wurde verraten und von den Nazis ins Vernichtungslager deportiert. Nur der Vater überlebte. Dank eines glücklichen Zufalls wurde Anne Franks Tagebuch unter all dem Zeug, das man bei der Durchsuchung des Verstecks zum Müll geworfen hatte, gefunden. Wir empfehlen Ihnen, dieses Buch zu lesen. Sie erfahren auf eindrucksvolle Weise, wie ein junges Mädchen im Gespräch mit einer fiktiven Freundin versucht, sich Klarheit über das Leben und seine persönlichen Ziele zu verschaffen.
Helfen Sie Ihren Enkeln, verantwortungsvolle Menschen zu werden, indem Sie selbst welche sind!
Einen entspannten Umgang mit Ihren Enkeln wünschen Ihnen
Marianne und Reinhard Kopp

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Großelternbrief Nr. 36

Die meisten Kinder hören auf das, was man sagt; einige tun, was man sagt; aber alle Kinder tun, was man selbst tut. (Kathleen Casey Theisen)

Liebe Großeltern,
machen wir uns nichts vor, unsere Kinder und Enkel haben uns durchschaut! Sie wissen genau, ob wir wahrhaftig sind oder nicht. Was nützt es, den jugendlichen Enkeln einen dozierenden Vortrag über die Schädlichkeit des Rauchens zu halten, wenn man sich dabei eine neue Kippe anzündet? Die wohlgemeinten Worte werden genauso verfliegen, wie der Zigarettenrauch. Reden kann noch jeder. Auch wir Großeltern schauen darauf, ob dem Reden Taten folgen. Ob der Enkel wirklich die Finger von Drogen lässt oder die Enkelin nicht mit jedem dahergelaufenen Typen abhängen muss. Tun, was man versprochen hat, worauf man sich festlegt oder was man neu erkannt hat, darauf kommt es an. Großeltern, die schon immer Menschen waren, die zwar viel von Veränderung redeten, das aber immer auf andere bezogen, werden im Alter nicht viel Respekt ernten diesbezüglich. Ihre wohlmeinenden Ratschläge verpuffen, man nimmt sie nicht ernst. Einem langjährigen Schürzenjäger nimmt niemand noch so ernstgemeinte Worte über den Wert der Treue ab. Und wenn so einer sich über Sohn oder Enkel aufregt, die in dieser Weise nur in seine Fußtapfen getreten sind, erntet er Hohn und Spott.
Bevor wir also den Kopf schütteln über dieses und das, was uns bei der Enkelfamilie so alles auffällt, sollten wir uns fragen, ob nicht wir es waren, die das Fundament dazu gelegt haben. Denn die Kinder machen uns alles nach. Auch dann, wenn sie lautstark verkünden, manches ganz anders handhaben zu wollen, wie die Eltern. Auch unsere Kinder können nicht aus ihrer Haut und leben nach dem Muster ihrer Vorfahren. Das ist vielfach ein Grund für Freude und Stolz, oft aber auch für Ärgernis.
Verinnerlichen wir aber das Wissen darum, dass unser Tun die Grundlage für ihr Tun ist, werden wir weise. Wir agieren zurückhaltender und vorsichtig. Denn uns ist klar, das Leben ist ein Prozess. Lebenslang sind wir gezwungen, aus unseren Erfahrungen zu lernen. Hoffentlich haben wir die richtigen Schlüsse daraus gezogen und sind bereit abzuwarten, dass auch unsere Kinder soweit kommen.
Einen entspannten Umgang mit Ihren Enkeln wünschen Ihnen
Marianne und Reinhard Kopp

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