Großelternbrief Nr. 33

Zitat: Fordere viel von Dir selbst und erwarte wenig von andern. So wird Dir viel Ärger erspart bleiben. (Konfuzius)

Liebe Großeltern,
Das Wort Toleranz dominiert unsere Zeit. Durch Toleranz funktioniert unser gesellschaftliches Zusammenleben. Toleranz bedeutet nicht, dass ich dieses oder jenes unbedingt gut finden muss und für mich nachahmenswert. Toleranz heißt, Menschen, die Familie anders leben als wir oder eine Religion ausüben, mit der wir nichts anfangen können, zu respektieren und nicht zu verlangen, dass sie so leben, wie wir es gewohnt sind. Genauso können wir verlangen, dass unser Lebensstil von ihnen toleriert wird. Im Großen und Ganzen funktioniert das tolerante Zusammenleben in unserm Land.
Doch manchmal hapert es bei den Generationen. Die unterschiedlichen Erwartungen, verbunden mit einer niedrigen Toleranzschwelle, werden zum generationenübergreifenden Problem. Da grollt der Großvater, weil ausgerechnet unter seinem Fenster Fußball gespielt wird und regt sich die Nachbarsfamilie auf, weil Opa stets spät abends den Fernsehton überlaut aufdreht, bis das Baby zu schreien beginnt.
Da finden Großeltern, wenn sie schon das Studium des Enkels finanziell unterstützen, dürfen sie auch erwarten, dass er studiert, was sie wünschen. Oder sie setzen die Kinder unter Druck, sich ständig nach den ihnen richten zu müssen. Und tragen das Mantra, dass Älteren Ehrerbietung gebührt als eine Art Schild vor sich her. Sie dürfen fordern, die andern müssen handeln. Und beweglich sein. So machen sich Großeltern zu unbeweglichen Majestäten, die man zwar respektiert, aber nicht liebt und zu denen man nur geht, wenn es unbedingt sein muss.
Großeltern, die glauben, sie müssten sich nicht mehr ändern, nicht mehr an sich arbeiten, befinden sich total auf dem Holzweg. Der weise Konfuzius sieht es vollkommen richtig: Wer sich einer Veränderung verweigert, zieht viel Ärger auf sich. Nicht nur, dass sich solche Großeltern über die Kinder aufregen, sondern sie verärgern mit solcher Halsstarrigkeit Kinder und Enkel gleichermaßen. Man wird sie meiden und ausgrenzen. Denn die Taktik, von andern mehr zu fordern, als man selbst zu geben bereit ist, wird sogar schon von kleinen Kindern durchschaut und ausgesprochen. Solche Großeltern kriegen dann unbequeme Wahrheiten um die Ohren gehauen. Großeltern, die zurückstecken können und mit ihren Forderungen vorsichtig sind, werden geliebt und geachtet.
Darum: seien Sie tolerant mit Ihren Kindern und Enkeln. Man wird es Ihnen danken und hoffentlich Gleiches mit Gleichem vergelten.

Einen entspannten Umgang mit Ihren Enkeln
wünschen Ihnen
Marianne und Reinhard Kopp

Dieser Beitrag wurde unter Großelternbrief abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.