Großelternbrief Nr. 39

Worten muss man argwöhnisch gegenüberstehen, denn sie können sich in Käfige verwandeln. (Viola Spolin)

Liebe Großeltern,
wie wichtig ist Ihnen die Wahrhaftigkeit? Wahrhaftige Menschen sind nämlich vorsichtige, abwägende Menschen. Wahrhaftige Menschen achten genau darauf, was sie sagen, wohl wissend, dass ihnen ihre Worte und Versprechungen sonst auf die Füße fallen können.
Was wollte der Großvater nicht alles für den Enkel tun, als der noch keine vier Wochen alt war. Ein Moped sollte der Junge bekommen und später das Sparbuch, das angeblich bei seiner Geburt angelegt worden war. Und als das Kind dann alt genug war, keine Rede mehr davon. Das Moped hatte Opa nicht mehr auf dem Schirm und ein Sparbuch gab es nicht.
Oder Oma versichert ihrer besten Freundin am Telefon wortreich, ihre Kinder könnten jederzeit auf sie zählen. Als sie eine halbe Stunde später gefragt wird, ob sie an diesem Abend einhüten könnte, weigert sie sich standhaft.
Großeltern, die auf ähnliche Weise handeln, verhalten sich unwahrhaftig. Hätten sie geschwiegen, machte ihnen niemand einen Vorwurf, weil weder Moped noch Sparbuch vorhanden sind und Oma löste auch keinen Ärger aus, wenn sie eine Anfrage aufs Babysitting negativ beschied.
Versprechen Sie darum nichts, was Ihnen hinterher wieder leidtun könnte. Lassen Sie sich nicht zu geschwollenen Äußerungen hinreißen, die Sie in Schwierigkeiten bringen könnten. Es ist nicht schön, wenn einem hinterher gesagt wird, man mache nur große Worte.
Bedächtigkeit sollte daher eine angestrebte Eigenschaft der Großeltern werden. Langsam zum Reden sein, langsam sein, wenn es um Versprechen geht. Vielleicht, statt zu reden, sich eher das Handeln angewöhnen?
Einen entspannten Umgang mit Ihren Enkeln wünschen Ihnen
Marianne und Reinhard Kopp

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