Großelternbrief Nr. 42

Eine Zeitlang zurückzublicken tut den Augen wohl und lässt sie um so wacher werden für ihre eigentliche Funktion: nach vorne zu schauen. Margaret Fairless Barber

Liebe Großeltern,
weil für gewöhnlich die zurückgelegte Lebenszeit länger ist, als die vermutlich vor uns liegende, schauen wir lieber zurück. Das, was hinter uns liegt, können wir überblicken, einordnen, beschreiben. Wir sind meistens in der Lage, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen: aus unserer Berufswahl, der Partnerwahl, den Jahren mit den Kindern. Viele formulieren aus all ihren Erfahrungen sogar Lebensweisheiten: Fall nicht gleich auf den Erstbesten rein, mache dich nicht abhängig, bei kleinen Kindern musst du klare Ansagen machen, usw. Das ist alles gut und schön.
Haben wir manches im Laufe der Jahre in den Sand gesetzt und tun so, als sei alles in schönster Ordnung gewesen, könnte diese Einstellung nach hinten losgehen, weil uns niemand mehr ernst nimmt. Oma redet nur, Opa tut nur so. Wenn das nach hinten Blicken ein angenehmes Gefühl hervorrufen soll, dann muss es unter einem positiven Blickwinkel geschehen. Für das, was gut gelaufen ist, können wir dankbar sein. Bei allem anderen können wir dankbar sein, dass wir es entweder überlebt oder überstanden haben. Mit gestärktem Selbstbewusstsein sollen wir danach aber nach vorne blicken, in der Gegenwart mit Blick auf die Zukunft leben. Diese Blickrichtung gibt uns Frische und Kraft, macht optimistisch und schenkt uns eine gewisse Jugendlichkeit. Denn wir erwarten noch etwas vom Leben, schmieden vernünftige Zukunftspläne und stehen damit in einer Reihe mit den jungen Menschen. Wobei wir den Vorteil haben, manche Erfahrung nicht erst machen zu müssen, sondern davon bereits profitieren zu können.
Wer nach vorne blickt, hat weder Zeit zum Jammern noch zu Nörgeln. Nachvorneblicker sind nämlich auf angenehme Weise mit sich und ihrem Tun beschäftigt. Sie brauchen dabei gescheiten Austausch und haben keine Zeit, andere schlecht zu machen.
Einen entspannten Umgang mit Ihren Enkeln wünschen Ihnen
Marianne und Reinhard Kopp

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