{"id":422,"date":"2016-11-16T13:48:35","date_gmt":"2016-11-16T13:48:35","guid":{"rendered":"http:\/\/grosselternakademie.de\/page\/?p=422"},"modified":"2023-05-09T10:56:43","modified_gmt":"2023-05-09T09:56:43","slug":"grosselternbrief-nr-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/grosselternakademie.de\/page\/2016\/11\/grosselternbrief-nr-23\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfelternbrief Nr. 23"},"content":{"rendered":"<p>Zitat: Wer wei\u00df, wo seine St\u00e4rken liegen, kann leichter zu seinen Schw\u00e4chen stehen.<br \/>\nErnst Ferstl<\/p>\n<p>Liebe Gro\u00dfeltern,<br \/>\nein heute sehr erfolgreicher Schriftsteller bekam als achtj\u00e4hriger von seinen Eltern zu Weihnachten eine Schreibmaschine geschenkt. Computer gab es damals noch nicht. Mal sehen, was er damit anstellt, waren Vater und Mutter gespannt. Sicher war es nicht nur diese Buchstabenmaschine, die ihn in seiner Berufswahl gelenkt hat, doch ist solcher Einfluss nicht zu untersch\u00e4tzen.<br \/>\nMeine Enkelin ist erst sechs, aber zu Weihnachten bekommt sie eine richtige N\u00e4hmaschine, keine aus dem Spielzeugregal. Mit der ist sie n\u00e4mlich schon gut drei Jahre so vertraut, dass es ihr keinen Spa\u00df mehr macht daran zu sitzen. Unsere Enkelin ist sehr talentiert, was Basteln und Handarbeiten angeht, weshalb wir sofort zugestimmt haben, als ihre Mama die Idee mit einer richtigen N\u00e4hmaschine hatte. Investieren in die St\u00e4rken der jungen Generation lautet unsere Devise. Ich beteilige mich gern daran, obwohl ich selbst v\u00f6llig untalentiert bin. Ich habe meine N\u00e4hmaschine schon lange weggegeben, denn ich kann nicht n\u00e4hen, bin auf diesem Gebiet v\u00f6llig unbegabt. Nichtsdestotrotz kann ich aber neidlos zusehen, wie meine Tochter und ihre Tochter n\u00e4hen, stricken und kn\u00fcpfen, dass es eine Freude ist. Aber die Kleine wei\u00df: Oma kann das nicht. Das ist f\u00fcr sie in Ordnung und f\u00fcr mich kein Grund zur Verlegenheit. Weil doch jeder Mensch andere Begabungen und St\u00e4rken hat. Ich m\u00f6chte keine Oma sein, die Sachen, die sie selbst nicht beherrscht, andern nicht g\u00f6nnt.<br \/>\nWeil ich nicht n\u00e4hen kann, soll keiner n\u00e4hen k\u00f6nnen?<br \/>\nDas ist doch Quatsch und total unreif, finde ich. Weil ich nicht n\u00e4hen kann, wundere ich mich, woher meine Tochter und meine Enkelin ihr Talent dazu haben. Und ich bin drauf gekommen: In meiner Herkunftsfamilie bin ich ein Exot, weil ich weder Hose noch Rock schneidern kann. In meiner Schwiegerfamilie gab und gibt es sogar ausgebildete Schneiderinnen. Und mittendrin ich, ohne jegliches Talent f\u00fcr Nadel und Faden. Also sind meine Tochter und meine Enkelin keine Ausnahmen, sondern passen genau zu den vorigen Generationen.<br \/>\nIch bin die Ausnahme, aber nicht das schwarze Schaf.<br \/>\nIch f\u00fchle mich schon lange nicht mehr bem\u00fc\u00dfigt, wenigstens den Schein zu wahren und guten Willen zu zeigen, wenn es um N\u00e4hmaschinen geht. Ich winke ab und wende mich den Dingen zu, die ich gut kann. Mit dieser Haltung habe ich es inzwischen sogar zu famili\u00e4rer Akzeptanz gebracht. Jeder, wie er kann, lautet unser Motto. Ich freue mich sehr dar\u00fcber, dass meine Enkelin schon so fr\u00fch Talent zum N\u00e4hen zeigt und werde es f\u00f6rdern, wo es geht. Ohne Neid und Geh\u00e4ssigkeit, ohne Sorge, mir br\u00e4che ein Zacken aus der gro\u00dfm\u00fctterlichen Krone, wenn die Enkel eine Unvollkommenheit an mir finden, etwas, das ich nicht perfekt oder gar nicht beherrsche. Nein, seitdem mir bewusst geworden ist, wie viel leichter es sich lebt, wenn man zu seinen Schw\u00e4chen steht, wundere ich mich, dass ich nicht schon viel fr\u00fcher den Mut dazu gefunden habe.<br \/>\nEinen entspannten Umgang mit Ihren Enkeln w\u00fcnscht Ihnen<br \/>\nMarianne Kopp<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zitat: Wer wei\u00df, wo seine St\u00e4rken liegen, kann leichter zu seinen Schw\u00e4chen stehen. Ernst Ferstl Liebe Gro\u00dfeltern, ein heute sehr erfolgreicher Schriftsteller bekam als achtj\u00e4hriger von seinen Eltern zu Weihnachten eine Schreibmaschine geschenkt. Computer gab es damals noch nicht. Mal sehen, was er damit anstellt, waren Vater und Mutter gespannt. 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