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Wir bei „Spiegel-online“

Liebe Großeltern, unter diesem Link finden Sie das Interview, das „Spiegel-online“ mit uns zum Thema „Corona, Großeltern und Enkel“ geführt hat.

https://www.spiegel.de/familie/corona-krise-wie-grosseltern-und-enkelkinder-kontakt-halten-a-dfb75345-7314-441b-a2d0-4cc7446731ba

Die Enkel

Der Großpapa, der gute,

hat Enkel an die neun.

Er zählt sie nicht, er weiß nur, dass sie ihn alle freun.

Der eine wohnt in Leipzig –

Weit weg ist diese Stadt.

Der Enkel kriegt ein Päckchen,

wenn er Geburtstag hat.

Der andere lebt in Dresden,

zwei weitre an der See.

Die kann er mal besuchen

mit seinem PKW!

Der fünfte ist ein Blonder,

der sechste Dunkelhaar.

Sie sind im Kindergarten,

fahrn Dreirad wunderbar.

Das siebte steht im Ställchen, das achte läuft schon fort,

das neunte liegt gewindelt

und sagt kein einzig Wort.

Sie sind wohl sehr verschieden

Und auch verschieden schlau,

jedoch der gute Opa

kennt jeden ganz genau.

Der wird mal ein Gelehrter

und der ein Ingenieur,

der wird es leichter haben,

und jener hat es schwer.

Der wird mal Häuser bauen,

und die wird Stewardess,

die ist ein braves Mädchen

und die ein wenig kess.

So machen sie ihm Freunde –

und ist ihm trüb der Sinn,

holt er das Fotoalbum,

da sind sie alle drin.

Aus: Wir sind nicht allein, ein Buch für Eltern mit kleinen Kindern. 1. Auflage, Evangelische Verlagsanstalt GmbH, Berlin 1981, Linzenz 420.205-32-81. LSV 6200. H 4909. S. 43

Unsere Antwort an Boris Palmer

Herr Palmer, in meiner Kindheit kursierte in den 60er Jahren bei uns in der DDR ein „Witzbrief“, der, wenn ich mich richtig erinnere, wie folgt begann: „Da Ihre schändliche Figur nicht mehr für den Aufbau des Sozialismus taugt, bitten wir Sie sich am soundsovielten beim Krematorium soundso einzufinden. Mitzubringen sind: eine Zeitung für Ihre Knochen, ein Napf für Ihr Fett…“ Auf diese Weise wurde der menschliche Körper fein säuberlich in seine Bestandteile zerlegt und unsere Eltern fanden es voll witzig. Erst viel später ist mir der faschistoide Hintergrund dieses angeblichen Witzes bewusst geworden. An diesen Witzbrief, den ich gar nicht witzig finden kann, musste ich denken, als ich gestern von Ihren Äußerungen über hochbetagte Menschen las. Für mich klang das ähnlich, etwa so: „da Ihr fortgeschrittenes Alter keine Effizienz mehr hat, ist es wirtschaftlich und medizinisch nicht mehr vertretbar, dass wir an Sie noch weiteren Aufwand verschwenden. Ob ein paar Monate früher oder später, Sie werden sowieso in absehbarer Zeit sterben müssen…“

Ich weiß nicht, ob Sie es wissen, aber heutzutage gibt es Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, wo besonders ältere Menschen festlegen können, ob Sie lebensverlängernde Maßnahmen wollen oder nicht. Sie brauchen also nicht zu befürchten, dass den Jüngeren ein Haufen alter, unbrauchbarer, seniler Greise den Platz an den Beatmungsgeräten streitig machen könnte.

Aus Ihren Worten spricht für mich eine tiefe Verachtung für alte Menschen. Auch wenn wir, nach vollbrachter Lebensleistung körperlich und manchmal auch geistig nicht mehr so fit sind wie in früheren Zeiten, so haben wir dennoch, auch im hohen Alter, der Gesellschaft etwas zu geben. Und wenn es „nur“ unsere Lebenserfahrung ist. Wir verkörpern eine Zeit, die es vor Ihnen gab, ohne uns gäbe es vieles nicht, was Ihnen und uns Fortschritt bedeutet. Auch könnte niemand aus den Fehlern lernen, die unsere Generation gemacht hat. Diese Fehler (wie z.B. die unbekümmerte Verwendung von Plastik), würde dann vermutlich Ihre Generation begehen und erst Ihre Nachkommen würden erkennen wie fatal ungebremster Fortschrittsglaube sich auswachsen kann. Aber wir Senioren sind lernfähig. Wir reparieren defekte Geräte, wir haben schon lange Stoffbeutel beim Einkauf dabei, wir leben und wirtschaften sparsam. Damit und bei vielem anderem sind wir als Vorbild für unsere Enkel dabei. Wenn Sie die Generation der Hochbetagten sozusagen „zum Abschuss“ freigeben, beginnen Sie, eine Generation zu opfern. Sie opfern Menschen, die Ihrer Meinung nach nur noch eine Biographie haben, die nach Ihrer Ansicht alles hinter sich haben und deshalb alles hinter sich lassen können. Je früher, desto besser. Aber hier irren Sie ganz gewaltig, Herr Palmer! Alte Menschen sind das Gedächtnis der nachfolgenden Generationen. Allein durch ihre Anwesenheit haben Sie etwas zu geben. Ob eine Gesellschaft menschlich ist und verantwortungsvoll, entscheidet sich nicht zuletzt an ihrem Umgang mit alten Menschen. Auch Hochbetagte haben nicht nur eine Biographie, sondern Zukunft. Und wenn es nur noch ein paar Monate sein sollten, wollen Sie sich anmaßen zu bestimmen, ob die noch lebenswert sind oder ob man einen Menschen um diese Zeitspanne bringen darf? Das erinnert mich stark an die Zeit des Dritten Reiches, wo sich eine Gesellschaft anmaßte darüber zu entscheiden, ob ein Leben noch lebenswert war oder nicht.

Meine Großmutter hätte Ihnen mit zittriger Stimme entgegnet: „Auch du wirst mal alt werden, Kind!“ Das wünsche ich Ihnen, dass Sie alt werden dürfen. Nicht als süße Rache für Ihre Äußerungen und deren Auswirkungen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Würde altern dürfen, betreut von einer Generation, die sich Ihre unsäglichen Äußerungen nicht zu Herzen genommen hat, sondern respektvoll und verantwortungsbewusst mit alten Menschen umgeht, weil die Würde jedes Menschen und jedes Alters unantastbar ist.

Mit Geduld durch die Krise

Keinen Kontakt zu den Enkeln. Die meisten Geschäfte sind zu, der Friseur auch und die Fußpflege. Arztbesuche vermeiden. Generationentreffs geschlossen, kein Vereinsleben, Reisen abgesagt, Urlaubsplanung hinfällig. Kein Zusammensein mit Freunden, Kaffeetrinken mit der ganzen Familie kann heikel werden. Spazierengehen am besten alleine,  aber nach Möglichkeit nicht auf der Bank verweilen.

Wie kommen wir durch diese Zeiten? Wir haben die Zeit genutzt und ein weiteres Buch zum Druck vorbereitet. Sobald Lockerungen auch für Senioren absehbar sind, wird der Druckauftrag erteilt. „Neugier aufs Dessert – Impulse für Großeltern“ enthält im Wesentlichen unsere bisher geschriebenen Großelternbriefe, die wir nochmal gründlich überarbeiten konnten, weil wir unverhofft Zeit dafür hatten. Jetzt schreiben wir an unserm zweiten Ratgeberbuch für christliche Großeltern. Ausgehend vom Buch Philemon bearbeiten wir Glaubensthemen und die besondere Verantwortung gläubiger Großeltern für ihre Enkel. Es geht um Fürbitte, Kommunikation, Verantwortung und vieles mehr.

Wir haben jetzt auch Zeit, uns unserm Garten zu widmen und sind gründlich bei der Sache. Wir lieben Kräuter und deren Heilwirkungen. Zwischen Mai und August bin ich dabei, Kräuter zu ernten und zu trocken für Tee und zum Würzen.  Unsere vier Kinder und deren Partner freuen sich stets über „Omas Kräuter“. Außerdem stelle ich gerne Blütensirup her. Wir beginnen jedes Jahr mit Löwenzahn. Weil ich dieses Jahr besonders viel Zeit dafür habe, werden es gleich ein paar Flaschen mehr, Kinder und Enkel wird auch das freuen.

So vertreiben wir uns die Zeit und üben uns in Geduld. Wir freuen uns schon darauf, wenn das Leben wir einigermaßen normal wird.

Bleiben Sie gesund!